Nachruf zum Tod unseres Ehrenvorsitzenden Hilmar Börsing


... und jeden Dienstag eine Veranstaltung

Zu Hilmar Börsings treibender und presseclubprägender Energie

Ein Nachruf von Viola Bolduan

Am 3. Oktober wäre er 90 Jahre alt geworden. Der Ehrenvorsitzende des Presseclubs, der in der noch analogen Zeit als Chefredakteur des Wiesbadener Kurier von 1979 bis Ende 1999 das journalistische Handwerk und dessen Erscheinungsbild mit verlässlicher Haltung und elegantem Stil vertrat, weit über seine offizielle Amtszeit hinaus in der Stadt, bekannt und beliebt, unterwegs war – in vielen Funktionen noch aktiv, bis er vor wenigen Jahren sich erkrankt in ein Heim zurückziehen musste. Hilmar Börsing ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Ein kürzlich zugezogener Oberschenkelhalsbruch war im geschwächten Zustand nicht mehr zu überstehen.

Hilmar Börsing kam 1979 aus Bremen nach Wiesbaden und seine norddeutsche Vergangenheit kleidete ihn zeitlebens. „Wat mutt, dat mutt“, hieß: diszipliniert sein, beweglich bleiben, vorangehen. Die Kindheit allerdings hatte der 1936 Geborene in Ebenhausen im Gebiet Posen (früher Westpreußen, heute Polen) verbracht, kam als Knabe 1945 in den Westen nach Jössen-Petershagen (Kreis Minden/Ostwestfalen), wo er 1957 sein Abitur macht, danach in Hamburg Politikwissenschaften und Soziologie studiert. Von 1963 bis ‘69 arbeitet er als politischer Redakteur bei den „Bremer Nachrichten“. 1977/78 ist er bereits Chefredakteur dieser Zeitung und hat seine Laufbahn in Windeseile mit Schwung, Elan und Durchsetzungskraft vollzogen, ehe er 1979 Chefredakteur des „Wiesbadener Kurier“ wird.

Hier, in dieser Stadt, sollte Hilmar Börsing die Funktion 20 Jahre lang ausüben, und er ist gerne hier geblieben. Von Labskaus zu Presseclub-Frikadellchen mit einem Glas Riesling. Hilmar Börsing gelang die Umstellung auf die Annehmlichkeiten der hessischen Landeshauptstadt und die des nahen Rheingaus leichter Hand und umfassend. Beim Arbeitgeber auf der anderen Rheinseite, der damaligen Mainzer Verlagsanstalt (heute: VRM, Verlagsgruppe Rhein Main) erreichte er einen deutlichen personellen Ausbau der Wiesbadener Redaktion. Außerdem hatte er, der von feministischen Verlautbarungen nicht viel hielt, in kurzer Zeit eine halt- und belastbare Frauen-Trias in Ressortleitungen etabliert. Und er wusste als Chefredakteur einer städtischen Tageszeitung um den Wert lokaler Berichterstattung und stärkte sie so engagiert, wie er selbst als Person in die Stadt hineinwirkte, u.a. als Vorsitzender des Presseclubs.

Als Gründungsmitglied dieses Clubs hatte Hilmar Börsing den Vorsitz 1992 übernommen und ihm ein straffes Programm verordnet. Auf diese Weise machte er die Wiesbadener Gesellschaft mit vielen namhaften Referentinnen und Referenten bekannt und etablierte den Club als wichtigen Bestandteil im kulturellen Leben der Stadt. Legendär sein Wettlauf mit der Zeit bei den PCW-Jahreshauptversammlungen – nie über 45 Minuten mussten schon zur Amtszeit die Bemühungen aller Nachfolger zunichtemachen. Zum von ihm initiierten Neujahrsempfang, einem gesellschaftlichen Rendezvous bei Sekt und Häppchen mit prominenten Gastrednern, kamen die Honoratioren der Stadt immer gerne.

Über Monate im Voraus, und das Jahr für Jahr, führte Hilmar Börsing die PCW-Veranstaltungsliste und füllte sie aus. Er kannte eben weitaus die meisten interessanten Leute und hat nie lang gefackelt, sie für den Club in Anspruch zu nehmen. In Konsequenz übernahm er auch die meisten Moderationen. Dabei stand nicht zu befürchten, dass der Gast lang ins Schwafeln geriet. Kurz und bündig wird er an eine Antwortform erinnert, die journalistischer Prägnanz zu genügen hat. Die Referenten neben ihm am Tisch fühlten sich gleichwohl aufgehoben in Börsings unterstützender Kompetenz und verlässlicher Höflichkeit. Jeden Dienstagabend eine Veranstaltung ... Dabei sah er auf eine bekömmliche Balance zwischen Politprominenz und Lokalmatador, von Rede und lockerem Treffen, Pflicht und Kür, jour fixe in der Clemi und Exkursionen mit Mitgliedern.

Sich selbst nicht zu schade, PCW-Krawatte zu tragen, warb Hilmar Börsing bei jeder passenden Gelegenheit für seinen Club und tat es am besten mit sich selbst. In seine Zeit fällt die (kurze) Einrichtung eines PCW-Journalistenpreises und ein vielfältiges Reiseangebot an alle Mitglieder. Gerne mehrmals nach Polen, in Börsings alte Heimat, wo er Reiseveranstalter ein wiederum dichtes Programm zusammenstellen ließ. Nach der Übergabe des Vorsitzes 2010 an den damaligen Kurier-Chefredakteur Stefan Schröder organisierte Hilmar Börsing, nun als Ehrenvorsitzender, noch so manche informative Reise und übernahm Moderationen weiterhin.

Eine weitere ehrenamtliche Funktion übte Hilmar Börsing von 2008 bis 2014 mit dem Vorstandvorsitz der Stiftung Bärenherz aus, wechselte später ins Kuratorium. Mit „liebevollem Charme“, so das Kinderhospiz, habe er stets für dessen Arbeit geworben. Das Land würdigte sie mit der Georg-August-Zinn-Medaille, die Börsing 2014 entgegennahm. Zehn Jahre zuvor war er mit der Wiesbadener Bürgermedaille für alles ehrenamtliche Engagement geehrt worden. Zu ihnen gehörte auch sein Einsatz für die Benefizaktion des Wiesbadener Kurier „Ihnen leuchtet ein Licht“ sowie für die Städtepartnerschaft mit Görlitz, deren Gründung er am 3. Oktober 2020 begleitete – an seinem 84. Geburtstag!

So schneidig und unwidersprechbar seine Äußerungen mit dem charakteristisch rollenden „r“ auch wirken konnten und untadelig chique die zierliche äußere Erscheinung, so beispiellos treibend und prägend seine Energie und Zielstrebigkeit, es rührte sich im alltäglichen Zeitungsgeschäft immer auch ein verborgener Stolz auf eine Old-school-Allgemeinbildung, die sich nicht zuletzt auch in seinen Moderationen für den Wiesbadener Presseclub bewies.

In eigener Sache: Für Hilmar Börsing durfte im Presseclub-Programm zwar nie etwas zu viel kosten – am liebsten waren ihm Gratis-Angebote, wenn denn ein Abend einmal üppiger ausgestaltet werden soll. Aber: Dass karg lebenden Künstlerinnen und Künstlern ein Honorar für ihren Auftritt zusteht, war ihm selbstverständlich, und er hatte solche Auftritte als besondere Ereignisse zum Jahresschluss gern beauftragt.

Wir sind traurig mit seiner Familie, seiner Frau Margarete und den beiden Töchtern Petra und Julia, allen Freundinnen und Freunden, Kollegien und Institutionen der Stadt. Hilmar Börsing wird Vorbild bleiben.

Für den Presseclub Wiesbaden

Christian Matz

Vorsitzender

Foto: Paul Müller

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»Ich bin Mitglied im Presseclub, weil ich neugierig darauf war, was ein Presseclub so macht und ich mich besser in der Region vernetzen möchte.«


Susanne Löffler, Public Relations, Museum Wiesbaden