Weihnachtsbrief 2025
Liebe Mitglieder,
„wer hätte das gedacht?“. Das war einer der meistgehörten Sätze in diesem Jahr. Dass es mit Trump II noch schlimmer kommen würde als mit Trump I. Dass die Amerikaner nicht mehr unsere Verbündeten, sondern unsere Wettbewerber sein wollen. Dass wir in Deutschland wieder über eine Wehrpflicht sprechen und die Bunker entrümpeln müssen.
Wer unsere Veranstaltungen besucht hat, war und ist über viele dieser Entwicklungen in der Welt und zu Hause gut informiert worden. „In welcher Gesellschaft wollen wir leben?“ lautete das Jahresmotto. Der Frage stellten sich so unterschiedliche Referenten wie Bischof Georg Bätzing beim Jahresempfang, die FDP-Europa-Abgeordnete Agnes Strack-Zimmermann oder der ehemalige Ministerpräsident Volker Bouffier. Ich habe die Zahl der Veranstaltungen dieses Jahr nicht gezählt, gefühlt waren es ebenso viele wie in den Vorjahren, womit unser Club in Deutschland mal wieder in der Spitzengruppe gelandet ist.
Mein Eindruck: In solch ungewissen Zeiten suchen wir Menschen die Gemeinschaft und den Austausch – und natürlich auch die Abwechslung. Es gab daher nicht nur informatives Schwarzbrot, sondern auch jede Menge Kuchen. Den Abschluss machte eine zu unserer großen Freude sehr gut besuchte Weihnachtsfeier, bei der sich kaum jemand vor dem gemeinsamen Singen gedrückt hat. Das Sommerfest, der spektakuläre Jahresempfang im Museum Reinhard Ernst, Zeitreisen durch die alten Wiesbadener Straßen oder ein Blick in das künftige Walhalla gehörten zu den amüsanten Programmpunkten, die uns schöne Seiten der Landeshauptstadt vor Augen geführt haben.
In Lars Minkmar, Arno Frank und Lorenz Hemicker trafen wir sozusagen städtische Eigengewächse, die hier leben und von Journalisten zu Schriftstellern gereift sind. Vom jüngsten Gast Florian Fabricius, 18, bis zum Senior, Rudi Schmitt, 97, lernten unsere Mitglieder die Bandbreite der Lebenserfahrungen und Perspektiven kennen, die uns mit dem Sprachforscher Stefan Dienst – zumindest einen Abend lang – bis an den Amazonas führten.
Wir haben von einem gut ausgebauten Netzwerk profitiert, als wir herausragende Journalistenkollegen und Wissenschaftler in unseren Räumen erleben durften. Von Henner Hebestreit über Christoph von Marschall bis hin zu Jürgen Falter und Andreas Rödder.
Schließlich gab es vieles zu erklären und zu analysieren bei zwei sehr wichtigen Wahlen, für die die Wiesbadener an die Urnen gebeten wurden.
Gerne haben wir auf Angebote zur Kooperation zurückgegriffen, die uns gemacht wurden. Die Premiere des Literaturfestes an der Villa Clementine ist so hervorragend gelungen, dass sich dieses Fest des Buches, das der Förderverein des Literaturhauses organisiert, in den nächsten Jahren hier etablieren wird – mit geballter Unterstützung des PCW. Die Europa-Union und die Casino-Gesellschaft zählen mittlerweile zu echten Alliierten, mit denen wir gerne zu gemeinsamen Veranstaltungen einladen oder Referenten „austauschen“.
Übrigens: Werfen Sie mal einen Blick auf unsere „Tafel der Förderer“ im Eingangsflur, wenn Sie das nächste Mal in den Presseclub kommen. Dort finden sich fast 50 korporative Mitglieder, die sich offenbar bei unseren Veranstaltungen oder bei den speziellen Angeboten für sie wohlfühlen. Uns hilft die Unterstützung dieser Freunde enorm.
Neben vielen positiven Momenten haben uns in diesem Jahr besonders viele traurige Nachrichten erreicht. Dirk Kornau, Bianca Labitzke, Lutz Schulmann, Günther Stahl, Zsolt Ghezy, Heinz Rosenberg, Henry Sellnik und Selina Riefenstahl haben uns für immer verlassen. Viele von ihnen haben mit ihrer Arbeit oder jahrelanger Unterstützung den Presseclub mitgeprägt und lassen sie uns nicht vergessen.
Mit tristen Schilderungen der Trump-Ära habe ich begonnen. Mit einem Ausblick auf unser Programm im nächsten Jahr möchte ich sie positiv stimmen. Das erste Quartal ist schon wieder voller Attraktionen, das reicht von Abenden mit Michel Friedman über den Sammler Frank Brabant bis zum Fitness-Papst Ingo Froböse. Mit dem Jahresempfang werden wir sie überraschen und … mehr wird nicht verraten.
Wichtig ist uns, dass wir auf Sie zählen dürfen, auf Ihre Unterstützung, Ihre Ratschläge und Ihre Anwesenheit,
Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben ein wunderschönes Weihnachten mit schwelgerischen Genüssen und viel Gesang. Denn kürzlich habe ich gelesen, wie wohltuend das gemeinsame Singen sich auf das Gemüt auswirkt. Probieren Sie es aus und lassen Sie sich durch Kritiker in ihrer nächsten Umgebung nicht davon abhalten. Dann kommen Sie auch gut ins Neue Jahr, das womöglich zum letzten Mal mit Lärmterror und Schwefelnebel begrüßt wird.
In diesem Sinne fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch
Stefan Schröder
