Was Zauberei und Politik gemeinsam haben: Magier Harry Keaton im Presseclub Wiesbaden


Von Laura Jung

WIESBADEN - Ist Ihnen schon einmal in den Sinn gekommen, was Willy Brandt, Karl-Theodor zu Guttenberg und Angela Merkel mit Zauberkünstlern gemeinsam haben? Tatsächlich bedienen sich beide Berufsgruppen ähnlicher Strategien, um beim Publikum wirksame Illusionen zu erzeugen und sich als Macher mit übermenschlichen Fähigkeiten zu inszenieren.

Der Berufsmagier Harry Keaton hat darüber ein Buch geschrieben. „Wie der Minister die Jungfrau zersägte“ heißt sein Werk, das er im Wiesbadener Presseclub vorstellte. Darin geht es um die heimlichen Parallelen zwischen Politik und Zauberei. Keaton erklärt anhand kurioser Beispiele aus dem Leben von Wladimir Putin, Helmut Kohl und Alexis Tsipras, wie sich sowohl Magier als auch bestimmte Politiker mit Trickhandlungen ins rechte Licht rücken oder sich einen strategischen Vorteil verschaffen. Seien es Umfragen, bei denen das Ergebnis schon vorher feststeht, politische Gegner, die geschickt ausgetrickst werden oder der geschickte Umgang mit Informationen, die frühzeitig zum eigenen Vorteil genutzt werden – Keaton beschreibt in seinem Buch viele Situationen, in denen Politiker die Aufmerksamkeit geschickt lenken, um ihre Wählerschaft hinter sich zu bringen. Keaton, der sich selbst als Entertainer und weniger als Aufklärer verstanden wissen möchte, verblüffte bei seinem Auftritt neben Zaubertricks aller Art mit exakten Vorhersagen von Geburtstagen und Zahlenkombinationen.

2002 das Wahlergebnis exakt vorhergesagt

Einen Namen machte sich der Magier, als er bei der Bundestagswahl 2002 vor laufenden Fernsehkameras das Wahlergebnis aller großen Parteien bis auf die Nachkommastelle exakt vorhersagte. „Es gehört zur Mentalmagie, Vorhersagen zu treffen“, sagt der Mann mit den blau-grauen Augen schlicht. Das Wiesbadener Publikum ist jedenfalls begeistert und löchert den faszinierenden Lockenkopf mit Fragen. Ob neben Jungfrauen auch schon mal Männer zersägt wurden? Ja, dies sei schon vorgekommen. Ob Hitler ebenfalls ein Magier gewesen sei. Ja, auch wenn er sich ungern mit diesem dunklen Kapitel deutscher Geschichte auseinandersetze, müsse er feststellen, dass Adolf Hitler ein fataler Zauberer und Menschenfänger gewesen sei, ein Mephisto gewissermaßen. Welche Magie Angela Merkel anwende? „Sie wirkt auf den ersten Blick nicht wie eine Zauberin, aber sie weiß um die Bedeutung von Souveränität. Sie hat ein hervorragendes Gespür für Timing und behält das Heft immer in der Hand“, erklärt Keaton, der in seiner Jugend auch mal überlegt hatte, Journalist, Lehrer oder Politiker zu werden. Doch am meisten faszinierte ihn die Welt der Zauberkunst und Magie: „Ich will Wunder zeigen und die Zuhörer zum Staunen bringen“, beschreibt er seine Motivation. Dies gelingt ihm an diesem Abend mehrfach. Der Run auf sein Buch und die Begeisterung der Gäste sind am Ende groß.

Wiesbadener Kurier, 24.08.2017

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Martin Kalverkamp, Geschäftsführung dpa-AFX Wirtschaftsnachrichten GmbH