Was wird aus dem Dalai Lama und Tibet?
Ist das Schicksal der Tibeter besiegelt? Haben die Chinesen ihr Ziel erreicht und mit ihrer brutalen Politik der Sinisierung die Kultur Tibets ausgelöscht? Wird sich noch jemand an das Schicksal der einstmals selbstständigen Nation im Himalya erinnern, wenn der Dalai Lama, das geistliche Oberhaupt im Exil, stirbt? Darüber diskutierte Moderator Stefan Schröder mit Roland Koch, dem ehemaligen Ministerpräsidenten Hessens, mit Kelsang Gyaltsen, viele Jahre Botschafter des Dalai Lama für Europa, und mit Frank Auth, Vorsitzender des Vereins Freunde für einen Freund.
Die beeindruckendste Antwort auf diese Fragen gab Roland Koch, seit Langem ein wichtiger Unterstützer des Dalai Lama. Er habe von seinem Freund gelernt, in langen Linien zu denken. Keiner wisse, wie viele Jahre sich das Regime der Kommunistischen Partei in China halte. Viele Faktoren sprächen dafür, dass sich die Machthaber dort sehr ernster Herausforderungen erwehren müssten. Und die Tibeter seien in ihrem tiefsten Inneren noch überall, auch in China, stark von den Ideen des tibetischen Buddhismus geprägt. „Außerdem hat der Dalai Lama kürzlich von einem Traum erzählt, in dem er 130 Jahre alt werde“, schloss Koch augenzwinkernd. Demnach stelle sich die Frage nach seiner Nachfolge nicht so bald. Frank Auth erinnerte daran, dass die totalitären Methoden, unter denen Chinesen litten, dank des Exports der genutzten Software in andere autoritär regierte Staaten jedem in der Welt gefährlich werden könnten. Gyaltsen, der mehr als fünf Jahrzehnte in Diensten des Dalai Lama stand, schilderte den Gesundheitszustand des 91 Jahre alten Mönchs als stabil. Er empfange nach wie vor 400 bis 500 Besucher in der Woche, halte aber keine großen Zeremonien mehr ab. Die Gäste, darunter viele langjährige Freunde des Dalai Lama wie Horst Klee, Wolfgang Grader (Tibet Initiative) oder Tom Keil, gingen mit einer wichtigen Botschaft dieses Podiums nach Hause: „Es ist noch nicht vorbei.“

Text: Stefan Schröder
Bild: PCW
