Reise nach Brüssel


Wer den Bedeutungsgrad einer Hauptstadt an der Länge ihrer Staus ablesen will, findet in Brüssel mit seiner überschaubaren Zahl von knapp 1,2 Millionen Einwohnern ein beachtliches Format vor. Das war nur eine der am eigenen Leib erfahrenen Erkenntnisse auf der Informationsfahrt von Presseclub und Europa-Union im April dieses Jahres. Für sechs Kilometer brauchte der Busfahrer bisweilen mehr als eine Stunde. Um so höher ist die logistische Leistung zu bewerten, 26 Teilnehmer in nicht viel mehr als 48 Stunden durch fünf Pflichtstationen und mehrere Kürprogrammpunkte bugsiert zu haben.

Dieses Verdienst kommt Peter Niederelz zu. Der Vorsitzende der Europa-Union, Kreis Wiesbaden, hatte Stopps bei der EU-Kommission, im Europa-Parlament, bei der hessischen Landesvertretung sowie in der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland arrangiert. Ein Nato-Sprecher traf die Gruppe im Haus der Hessen, weil das eigene Hauptquartier am Stadtrand  noch nicht für Gäste geöffnet war.

Einen besonderen Reiz machte die bunte Mischung der Teilnehmer aus. Altgediente Europafreunde mit schon häufig absolvierten Brüssel-Trips trafen auf zehn Volontäre, also Auszubildende der Medienbranche, für die der Einblick in das Brüsseler Getriebe womöglich noch für neue berufliche Weichenstellungen sorgen könnte. Auch für gestandene Journalisten, die zur Delegation gehörten, bot das Programm neue Erkenntnisse. Als Geheimtipp entpuppte sich das erst im vergangenen Jahr eröffnete Haus der europäischen Geschichte, fünf Minuten Fußweg vom Parlament entfernt.  Dort wird der ehrgeizige und größtenteils gelungene Versuch unternommen, eine europäische Identität zu dokumentieren und die vielen Ansätze für gemeinsame Wurzeln und Kulturen zu ergründen.

Besondere Gastfreundschaft genossen die Wiesbadener in der hessischen Landesvertretung, wo der stellvertretende Leiter Claus-Peter Appel, unterstützt von Öffentlichkeitsarbeiterin Andrea Bär, Einblicke in die Arbeit von Lobbyisten, Politikern und, Beamten gab. Die Dachterrasse der Vertretung hoch über der Stadt bot nicht nur genügend Kulisse für eines der vielen Mannschaftsbilder, sondern vermittelte einen Eindruck von der Größe des Europaviertels.

Udo Bullmann, für Südhessen im Europa-Parlament und frisch gewählter Vorsitzender der sozialdemokratischen Fraktion, erzählte auf der Zuschauertribüne des Abgeordnetenhauses von seinen dichtgespickten  Terminkalender. Wenn es nach ihm ginge, wäre der Standort Straßburg für die Parlamentarier längst abgeschafft. So pendelt er zwischenjährlich  zwölf Sitzungsperioden im Elsass und vier Tagungseinheiten in Brüssel mit Sack und Pack hin und her, stattet zwischenzeitlich seiner Heimatregion von Gießen bis Lampertheim Visiten ab und drückt immer häufiger in Berlin die Bank, wo er in den erweiterten Bundesvorstand der SPD aufgerückt ist. Was der Bürger denke, erfahre er trotzdem, wiegelte Bullmann Nachfragen nach der Volksnähe ab. Schließlich gebe es E-Mails, Versammlungen und Besucher wie die aus Wiesbaden.

Die bewältigten auf ihrer Reise zahlreiche Herausforderungen. Allein dreimal musste sich die Gruppe einem Körperscanner und Röntgenbetrachtungen ihres Gepäcks unterziehen. Die Angst vor Anschlägen macht solche Prozeduren für die Mitarbeiter der Kommission, der Botschaft und des Parlaments zur Routine, Gäste versäumen auf diese Weise schon mal Termine. Ohne größere Mühe absolvierten allerdings einige besonders resistente Mitreisende die für Brüssel typischen Dreikampf-Disziplinen in den Kategorien Kulinarik -  Waffel, Pommes und Pralinen - sowie Tourismus: Manneken Pis, Grand Place und Atomium.

Stefan Schröder

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