Politische Schärfe und menschliches Maß: Stephan Lamby zu Gast beim Wiesbadener Literaturfestival
Wie radikalisiert sich die bürgerliche Mitte – und was tun, wenn der Riss plötzlich mitten durch die eigene Familie geht? Mit diesen drängenden Fragen im Gepäck war Stephan Lamby am 27. Juni zu Gast beim Wiesbadener Literaturfestival »Ins Offene«. Bei strahlendem Sommerwetter folgten zahlreiche Gäste der Einladung in die Villa Clementine, um mit einem der profiliertesten Chronisten der deutschen Politik über den Zustand unserer Demokratie zu debattieren.
Der vielfach ausgezeichnete Dokumentarfilmer und Autor stellte sein aktuelles Buch »Dennoch sprechen wir miteinander« vor. Was als sehr persönliche Spurensuche an einem privaten Küchentisch beginnt, entwickelt sich im Laufe der Lektüre – und auch im Verlauf des Gesprächs – zu einer scharfsinnigen Analyse der globalen Polarisierung. Lamby nahm das Publikum mit auf eine Reise durch die USA, Argentinien, Italien und Deutschland, um zu ergründen, warum sich politische Debatten zunehmend in unüberbrückbare Lager spalten.
Das moderierte Gespräch mit Thomas Dreesen war geprägt von einem dichten, nachdenklichen Austausch, der weit über die tagespolitische Empörung hinausging. Die Themen spannten einen weiten Bogen: Von den Mechanismen der Sprache von Demagogen über die psychologische Dynamik von Trump- oder Milei-Anhängern bis hin zur kritischen Selbstreflexion über die Rolle der Medien und den schleichenden Vertrauensverlust in etablierte Institutionen. Lamby betonte dabei immer wieder, dass der Titel seines Buches kein bloßer Wunsch ist, sondern eine bewusste persönliche Entscheidung.
Neben der profunden politischen Analyse bot der Vormittag auch praktische Momente: Das Publikum nahm wertvolle Impulse mit, wie man auf der nächsten Familienfeier mit dem sprichwörtlichen „schwierigen Onkel“ umgeht, ohne dass die Familienfeier eskalier.
Wir freuen uns sehr, das Wiesbadener Literaturfestival als Kooperationspartner zu begleiten und anregende Diskussionen in unsere Stadt zu tragen.

Thomas Dreesen (rechts) im Gespräch mit Autor Stephan Lamby
Text und Bild: PCW
