PCW-Jahresempfang am 3. März 2020


PCW-Jahresempfang 2020

Mit dem Hinweis, dass in diesen Tagen doch lieber auf Händeschütteln und Küsschen verzichtet werden sollte, begrüßte der PCW-Vorsitzende Stefan Schröder die rund 120 Gäste zum Jahresempfang in der Villa Clementine. Für seelische Notfälle sei PCW-Schatzmeisterin Monika Schwarz mit einem Sagrotan-Fläschchen bewaffnet. Danach ließ Schröder aber den Spaß beiseite und resümierte die Ereignisse der ersten zwei Monate des aktuellen Jahres. In denen sei nämlich so viel passiert, dass er gar keine Möglichkeit habe, auf das vergangene Jahr zu blicken. Seien es das Coronavirus oder die furchtbaren Ereignisse, die sich in Hessen zugetragen hatten: die Ermordung Walter Lübckes, die Mordraserei in Hanau oder die Amokfahrt von Volkmarsen. All diesen Ereignissen lägen rechtsradikale Ideologien zu Grunde. Deshalb haben, so Schröder, gerade jetzt die Medien wieder eine besondere Rolle: Aufklären und Menschen miteinander verbinden. Dass dies funktionieren kann, habe sich im vergangenen Jahr gezeigt. Denn gerade in Wiesbaden hätten die Medien dafür gesorgt, dass einige besonders üble Machenschaften aufgedeckt wurden. Bevor Schröder sein Grußwort beendete, begrüßte er die Ehrengäste des Abends.

Unter dem Titel „Kodak oder Lego. Welchen Weg gehen die Qualitätsmedien im digitalen Wandel?“ schilderte der Publizist, Unternehmer und Herausgeber des „Tagesspiegel“, Sebastian Turner, die Veränderung der Medienbranche. Dabei ging er zunächst auf die Auswirkungen des digitalen Wandels für andere Branchen ein. Die Digitalisierung habe insbesondere die Technik- und Musikbranche völlig auf den Kopf gestellt. In der Medienbranche habe sich aber ebenfalls vieles gewandelt. Gab es vor der Erfindung des Buchdrucks ausschließlich jeweils einen Sender und einen Empfänger, revolutionierte Johannes Gutenbergs bahnbrechende Errungenschaft diese Prämisse. Denn nun gab es zwar immer noch einen Sender, aber unendlich viele Empfänger. Und heute? Heute gibt es immer noch unendlich viele Empfänger aber eben auch unendlich viele Sender. Turner ging auf die Auflösung ganzer Ökosysteme ein. So würden 90 Prozent aller Dinge, die wir im Supermarkt kaufen, von nur vier Handelsgruppen angeboten. Und diese hätten solch eine monopolartige Macht auf die Werbung, die in Zeitungen abgedruckt werde. Ebenso sei ein nachlassendes Interesse an Tätigkeiten in Verlagen zu erkennen. Für die Branche gelten laut Turner zwei Prinzipien: Reduzierung der Transaktionskosten und Exklusivität. Wie das geht? Durch Lokalität. Hier nannte Turner den Tagesspiegel, der zwölf Stadtteile Berlins bespiele und zusätzlich fünf unterschiedliche Berufs- oder Themengruppen. Dies habe sich im Vergleich zu anderen Berliner Zeitungen bewährt.

Stefan Schröder bedankte sich anschließend für Turners Ausführungen und überreichte ihm stolz die offizielle Presseclub-Krawatte – das, so seine Worte „wertvollste Geschenk“, das man im Presseclub erhalten könne.

Eben noch in einer Aufsichtsratssitzung, jetzt auf der PCW-Bühne. So begrüßte Stefan Schröder den Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Wiesbaden, Gert-Uwe Mende. Dieser outete sich direkt als bekennendes Lego-Kind und erinnerte sich an seinen ersten Besuch im Presseclub – noch bevor er als OB-Kandidat nominiert gewesen sei. Schon damals habe man ihn sehr freundlich empfangen, aber auch schon die eine oder andere Erwartung an ihn gehabt. Mendes Ziel sei ganz klar, für ein besseres politisches Klima in Wiesbaden zu sorgen und eine Misstrauens- zu einer Vertrauenskultur zu entwickeln. Der Oberbürgermeister gab einen Ausblick auf kommende Themen. Mende freue sich auf eine offene und wertschätzende Debatte in Sachen City-Bahn und den damit verbundenen Bürgerentscheid. Rechtsextremismus und Hetze müssten mit aller Schärfe bekämpft werden, appellierte er sowohl an die Medien als auch die Gesellschaft. Ein Lob hatte der Oberbürgermeister für die Lokalpresse für die Berichterstattung im vergangenen Jahr. Hier hätten die Medien ihre Arbeit sehr gut gemacht und – bei einigen Übertreibungen – absolut richtig gehandelt.

Stefan Schröder bedankte sich bei Gert-Uwe Mende für sein Grußwort und eröffnete sogleich das „Flying Buffet“ der Hofköche. Noch bis in die späten Abendstunden wurde bei Wein und frischgezapftem Bier angeregt diskutiert, philosophiert und gelacht.

Text: Tobias Quoika

Fotos: Paul Müller

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