Nachruf auf Horst Schubert

Ein bewegtes Leben - auf Horst Schubert trifft dies ganz sicher zu. Der Presseclub trauert um einen Mann, der zwei Fluchten erlebt hat, der mit Theaterlegenden und Fernsehstars zusammengearbeitet und der stets den künstlerischen mit seinem persönlichen und professionellen Anspruch verbunden hat. Und der es geschafft hat, sich dabei auch noch seinen Humor zu bewahren. Am 25. Juli ist er im Alter von 95 Jahren gestorben.
Geboren wurde Schubert in Sagan/Schlesien, nach der Flucht nach Naumburg an der Saale und der Lehre als Elektroingenieur machte er die ersten Schritte in der Theatertechnikwelt bei den Städtischen Bühnen in Chemnitz. Wegweisend für seine Zukunft war die Begegnung während eines Gastspiels des Berliner Ensembles: Helene Weigel nahm ihn quasi mit nach Berlin. An Bertolt Brecht war seine Erinnerung aber durchaus zwiespältig: „Es war mit ihm ein bisschen anstrengend, aber mit Künstlern ist das eben so. Er konnte sehr komisch werden, wenn er sich geärgert hat oder wenn er sich ärgern wollte“, erzählte Schubert im Gespräch mit dem heutigen Presseclub-Vorstandsmitglied Prof. Dr. Dr. Alexander Moutchnik. In mehreren Videos, die Moutchnik für seine Forschung zur Zeit des ZDF auf dem Gelände „Unter den Eichen“ angefertigt hat und die auch auf dem YouTube-Kanal des Presseclubs zu sehen sind (https://www.youtube.com/@presseclubwiesbaden), sind die Erinnerungen Schuberts festgehalten. Nochmal zu erleben ist darin ein Mann, der bis ins höchste Alter neugierig, elegant, ironisch und manchmal frech wie ein kleiner Bub geblieben ist. Über das Leben in der DDR, der „Ostzone“, sagte er im Gespräch mit Moutchnik: „Wer seinen Kopf zum Denken benutzt hat und nicht nur zum Haareschneiden, der hat sich dort in keiner Weise wohlgefühlt.“ Schubert selbst, inzwischen bei der Komischen Oper angestellt, nutzte im Jahr 1965 eine Gastspielreise nach Stuttgart und blieb im Westen. Und fand schon bald darauf den Weg nach Wiesbaden, wo er als Tonmeister am Staatstheater anfing. „Mächtig erschrocken“ habe er sich zunächst über die im Vergleich zum Osten schlechte technische Ausstattung, sagte Schubert später.
Nach dem Wechsel zum Fernsehen und Stationen im privaten Film- und Fernsehbereich war er schließlich beim ZDF „Unter den Eichen“ tätig, zunächst als freier, später als festangestellter Bildregisseur. „Beim ZDF fing man in der Zeit in der ,heute‘ an. Und das war gut so. Das war das trickreichste, wenn mitten in der Sendung noch etwas passierte, dann musste man den ganzen Ablauf umstellen, ohne dass der Zuschauer das gemerkt hat“, erinnerte sich Schubert. Tele-Illustrierte, Drehscheibe, längere Stationen beim Auslandsjournal, Aspekte, dem „ZDF-Magazin“ mit Moderator Gerhard Löwenthal („Das war politisch sehr umstritten. Aber wir haben uns gut verstanden. Ich habe jahrelang seine Sendung von der Regie her gemacht.“) - Schubert hat Fernsehgeschichte miterlebt und mitgestaltet. 1994 hat seine Zeit beim ZDF geendet. Beim Presseclub war Horst Schubert bis zuletzt ein gern gesehener Gast, so beim Jahresempfang im März und auch beim Sommerfest Anfang Juli.
Wir werden ihn als Mitglied und Gesprächspartner vermissen. Unsere Anteilnahme gilt seiner Frau Traudel und seiner Familie.
Für den Presseclub Wiesbaden
Christian Matz
