Michel Friedman hatte wenig Gelegenheit zu streiten
Er rede mit jedem, höre gerne zu, aber derjenige müsse sich mit seinen Ansichten auf dem Boden des Grundgesetzes bewegen und zur Demokratie bekennen. Mit diesen Worten gab Michel Friedman eine seiner Leidenschaften preis: das Streiten. Viel Anlass dazu gab es am Dienstagabend nicht. Im voll besetzten Maki-Saal des Museums Reinhard Ernst saßen offenbar nur Gäste, die dem Redner per Applaus zustimmten oder schwiegen. Dass rund 150 Mitglieder des Presseclubs und Gäste dem Gespräch zwischen Moderator Dirk Fellinghauer und Michel Friedman lauschen durften, war einer großzügigen Geste des Museumsteams zu verdanken. Als sich abzeichnete, dass der prominente Redner viele Interessierte anziehen würde, boten die Nachbarn dem Presseclub ihren großen Saal als Alternative an.
Michel Friedman schonte sein Publikum nicht. Der Publizist, Journalist, Schriftsteller und bald auch Theaterautor hielt den Freunden der Demokratie vor, viel zu oft nur Bekenntnisse statt Taten für die von allen doch so verehrte Regierungsform folgen zu lassen. Warum gelte denn bereits als Faktum, dass die AfD (Alternative für Deutschland) in Sachsen-Anhalt bei den Landtagswahlen 40 Prozent der Stimmen bekomme, fragte das ehemalige CDU-Mitglied rhetorisch. Seines Wissens entscheide sich so etwas am Wahlabend, und bis dahin sei es doch noch ein Weilchen, also ausreichend Zeit für die Demokratie zu kämpfen.
Zu diesem Kampf gehört nach Ansicht des bald 70 Jahre alten Gesprächsgastes ein Verbot der AfD. Er habe dazu bisher nur inakzeptable Ausreden gehört. Die Partei stattdessen politisch zu stellen, gelinge seit Jahren nicht. Nicht für ein Verbot einzutreten in der Sorge, vor dem Bundesverfassungsgericht zu unterliegen, sei scheinheilig. Denn dieses Risiko gebe es vor Gericht immer.
Friedmanns Worte verhallten nicht ungehört. Schließlich bildete sich eine lange Schlange am Büchertisch der Buchhandlung Vaternahm, wo der Autor seine drei jüngsten Werke gerne noch signierte.

