Immer noch auf Augenhöhe?


Würde ich mir dieses Plakat an die Wand hängen? Professor Alexander Moutchnik, der an der Hochschule RheinMain seit 2013 Medienwirtschaft und Mediengeschichte lehrt, hat eigene Kriterien entwickelt, nach denen er aktuelle, aber auch historische Wahlplakate bewertet. Gemeinsam mit Pressclubvorstandsmitglied Andreas Bell, selbst Fachmann für Unternehmenskommunikation, unternahm er Streifzüge durch die Geschichte der Wiesbadener Kommunalwahlen seit 1946. Anlass für die Veranstaltung im Presseclub, die trotz Schneechaos, auch von Lokalpolitikern gut besucht war, waren die Kommunalwahlen am 15. März. 

„Immer noch auf Augenhöhe?“ fragten die Experten auf ihrer Reise durch 80 Jahre kommunale Wahlwerbung. Im Stadtarchiv, dem Moutchnik herzlich für die Überlassung der Bilder von Plakaten dankte, fand der Hochschulprofessor eine Fülle von Beispielen für seine Kategorien Persönlichkeit, Themenvielfalt, Humor, Sex und Originalität. Dabei schälte sich heraus, dass es im lokalen „Werbegeschäft“ ums Konkrete geht. Statt über Infrastruktur redet man über kaputte Straßen. Immer noch seien Gespräche und Begegnungen mit den Bürgerinnen und Bürgern wichtig, wenngleich die Präsenz im Internet, besonders auf Social Media-Plattformen unbedingt nötig sei. Und verbesserungsfähig, merkten die beiden Fachleute im Bezug auf die Wiesbadener Verhältnisse an. 

Wahlkämpfe seien für die Politik, was Weihnachten für die Religion bedeute. Dementsprechend gleicht laut Moutchnik die Dekoration der Stadt vor Wahlen einem geschmückten Weihnachtsbaum. Wenn auch mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Ohne Parteilichkeit und inhaltliche Bewertungen, so Bell, rügten die beiden Referenten die Unübersichtlichkeit, die Inkonsequenz bei Farbe und Logogestaltung, manche Gleichförmigkeit im Auftritt, die eine Unterscheidung der Angebote erschwere. Eine Frage konnten weder Bell noch Moutchnik zufriedenstellend beantworten: Welche Plakatwerbung und welcher Internetauftritt garantiert die meisten Stimmen? Wichtig sei, dass an unterschiedlichen Orten die darauf abgestimmte visuelle Werbung platziert werde. „Aber wenn es ein Allheilrezept gäbe, würde es ja jeder anwenden“, lautete das trockene Resümée. Am Abend des 15. März wissen wir wieder alle mehr.

   

Text und Fotos: PC Wiesbaden

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Martin Kalverkamp, Geschäftsführung dpa-AFX Wirtschaftsnachrichten GmbH