Drei Museen, drei Ausstellungen, drei Gäste: ein Jubiläum
1957 setzte die Ausstellung „Couleur Vivante. Lebendige Farbe“ im (damaligen städtischen) Museum Wiesbaden mit acht deutschen und acht französischen Künstlern nicht nur ein starkes Zeichen für die informelle Kunst und die damalige künstlerische Avantgarde; sie war ebenso ein starkes Zeichen für die sich in den 50er Jahren langsam verbessernden deutsch-französischen Beziehungen.
70 Jahre später zeigen das Museum Reinhard Ernst, das Museum Wiesbaden und der Nassauische Kunstverein (NKV) weit mehr als eine bloße Neuauflage von Couleur Vivante. Wie lebendig und relevant das Informel bis heute ist, erläuterte mit viel Leidenschaft und Überzeugungskraft das Direktorentrio Dr. Oliver Kornhoff (MRE), Lotte Dinse (NKV) und Dr. Andreas Henning (Landesmuseum Wiesbaden) im Gespräch mit PCW-Vorstandsmitglied Corinna Freudig. Vor allem aber machten sie eines: Lust auf diese Ausstellung, pardon: diese drei Ausstellungen.
Das Herzstück wird im MRE zu sehen sein, zu dessen Beständen Werke aller 16 Couleur-Vivante-Künstler gehören, darunter fünf Bilder, die bereits 1957 gezeigt wurden. Ein besonderer Fokus liegt auf Judit Reigl – der einzigen damals gezeigten Künstlerin –, deren Arbeiten bis heute faszinieren.
Das Museum Wiesbaden ergänzt dies durch eine feine Kabinettausstellung mit Werken und Briefen von Bernhard und Ursula Schultze-Bluhm, die den damaligen "MuWi"-Direktor Clemens Weiler bei der Konzeption beraten haben.
Der Nassauische Kunstverein wiederum schlägt die Brücke in die Gegenwart und präsentiert internationale zeitgenössische Positionen, sozusagen die heutige Avantgarde, die sich naturgemäß mit völlig anderen Themen beschäftigt als die Künstler der Nachkriegszeit.
Ein inspirierender Abend – und ein spannender Blick auf die informelle Kunst, eine Kunst, die – so Oliver Kornhoff - „widerständig ist, sich nicht vereinnahmen lässt und der sofortigen Lesbarkeit entzieht“.
Start der drei Ausstellungen: 15. November

(v.l.n.r.) Dr. Oliver Kornhoff (MRE), Corinna Freudig (Presseclub Wiesbaden), Lotte Dinse (Nassauischer Kunstverein), Dr. Andreas Henning (Landesmuseum Wiesbaden)

Fotos und Text: PCW
