30 Jahre Wiesbaden online


Am 5. Mai, dem Tag des lokalen Journalismus, ging es im Wiesbadener Presseclub um ein Thema, das inzwischen selbstverständlich wirkt und doch eine eigene Geschichte hat: Wiesbaden im Internet. Unter dem Titel „Wiesbaden 30 Jahre online. Vom ersten Webauftritt bis zur KI-vernetzten Stadtgesellschaft“ zeichnete Prof. Dr. Dr. Alexander Moutchnik von der Hochschule RheinMain nach, wie sich die digitale Präsenz der Landeshauptstadt seit 1996 entwickelt hat.

Der Vortrag führte zurück in eine Zeit, in der das Internet noch erklärungsbedürftig war, Modems piepten und viele Menschen erst vorsichtig fragten, ob sie denn schon „drin“ seien. Wiesbaden war damals bereits im Netz präsent. Neben frühen privaten und kommerziellen Angeboten wie „Wisibada“ von Axel Imholz und „Wiesbaden online“ von Martin Seibert ging 1997 auch der offizielle Internetauftritt der Stadt unter wiesbaden.de an den Start. Aus heutiger Sicht wirken 55 Seiten, rund 100 Bilder und erste E-Mail-Angebote bescheiden. Für die damalige Stadtkommunikation war das ein deutlicher Schritt nach vorn.

Moutchnik machte nachvollziehbar, wie aus einer digitalen Visitenkarte allmählich ein Stadtportal wurde. Der Relaunch von wiesbaden.de im Jahr 2001 brachte Tausende Einträge, Dienstleistungen, Formulare und sogenannte Lebenslagen ins Netz. Damit begann eine Entwicklung, die heute selbstverständlich erscheint: der digitale Zugang zur Verwaltung, zur Stadtinformation und zu städtischen Angeboten. Ein besonderer Akzent des Vortrags lag auf der Vielstimmigkeit der digitalen Stadtöffentlichkeit. Wiesbaden im Netz besteht längst nicht nur aus der offiziellen Homepage. Dazu gehören lokale Medien, private Stadtportale, das politische Informationssystem PIWi, Wikipedia, Internetfernsehen, Lokalradio und zahlreiche Social-Media-Angebote. Gerade Facebook erwies sich in der Betrachtung als erstaunlich langlebiger Ort des Wiesbadener Alltagsgesprächs. Die Seite "Wiesbadener Kurier" sowie die Gruppen wie „Lust auf Wiesbaden!“ oder „Wiesbaden Nostalgie!“ verdeutlichen, wie stark digitale Kommunikation mit lokaler Erinnerung, Austausch und Stadtgefühl verbunden ist.

Der Blick nach vorn führte zum digitalen Zwilling der Stadt und zum KI-Chatbot „Lilli“ auf wiesbaden.de. Damit verändert sich die digitale Stadtkommunikation erneut. Informationen werden stärker verknüpft, Angebote dialogischer, Daten räumlich erfahrbar. Der digitale Zwilling macht Wiesbaden bereits als begeh- und auswertbares 3D-Modell erfahrbar, mit Bezügen zu Mobilität, Umwelt, Stadtentwicklung und Erinnerungskultur. Zugleich wurde deutlich, dass solche Angebote im städtischen Alltag noch stärker sichtbar gemacht werden müssten.

An den Vortrag schloss sich eine Diskussion an, an der neben Mitgliedern des Wiesbadener Presseclubs auch geladene Gäste aus unterschiedlichen Bereichen der digitalen Stadtentwicklung und Stadtkommunikation teilnahmen:  Silke Lehnhardt, Leiterin des Amtes für Innovation, Organisation und Digitalisierung, Boris Volkmar aus dem Team Geoinformation im Tiefbau- und Vermessungsamt, Rebecca Wilhelm, Senior Programm-Managerin Smart City Wiesbaden, sowie Sebastian Wenzel, Pressereferent der Landeshauptstadt Wiesbaden mit Schwerpunkt Social Media. In der Diskussion ging es um die Frage, wie digitale Angebote bekannter, verständlicher und stärker im Alltag der Stadtgesellschaft verankert werden können.

So entstand im Wiesbadener Presseclub eine Chronik der digitalen Stadtwerdung Wiesbadens. Der Vortrag machte deutlich, wie sich das Internet von einem Experimentierfeld einiger Pioniere zu einem festen Bestandteil lokaler Öffentlichkeit entwickelt hat. Nach 30 Jahren ist Wiesbaden online kein Zusatz zur Stadt mehr. Es ist einer der Orte, an denen Stadt wahrgenommen, verhandelt, erinnert und weitergedacht wird.

     

Prof. Dr. Dr. Alexander Moutnik  (links) bei seiner Präsentation: 30 Jahre Wiesbaden online.

Foto: PCW

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