Über Wahrheiten und Werbung


MEDIEN-LOUNGE Diskussion über das Pressesystem in Deutschland

von Nele Leubner

WIESBADEN. " Meine Wahrheit, deine Wahrheit - welche Wahrheit wird denn berichtet?", fragte Hasso Mansfeld am Dienstagabend im Presseclub. Thema bei der 14. Medien-Lounge war "Zwischen Lügenpresse und Fake News - Journalismus in der Vertrauenskrise?" Mansfeld, Unternehmensberater und Medienkritiker aus Bingen, sagte: "Die Silvesternacht 2015 war für mich eine Zäsur. Ich hatte den Eindruck, die Medien hatten Angst, über die sexuellen Übergriffe in Köln zu berichten."

Wulf Schmiese, Redaktionsleiter des ZDF-"Heute-Journal", widersprach: "Es wurde nichts bewusst verheimlicht. Es wurden schon Fehler gemacht, das Ausmaß wurde nicht sofort begriffen." Es werde gelegentlich aber auch mit zu viel Strenge auf die Medien geschaut, meinte Schmiese.

"Können uns der Wahrheit nur annähern"
Stefan Schröder, Chefredakteur dieser Zeitung, sprang zu Beginn der Diskussion für den verspäteten Schmiese als Vertreter der Medien ein. Er sagte: "Wir haben ein funktionierendes Pressesystem in Deutschland - das sieht man daran, dass wir uns auch gegenseitig korrigieren. Ein Journalist kann sich der Wahrheit aber nur annähern", sagte Schröder.

"Ist der Vertrauenverlust in der Mitte der Gesellschaft angekommen?", fragte Moderatorin Melanie Dietz. Das Glaubwürdigkeitsproblem sei ein allgemeines gesellschaftliches Thema, betreffe ebenso Kirchen, Parteien und Vereine, meinte Schröder. "Es ist wichtig, dass die Gesellschaft undurchlässig gegenüber Beeinflussung gemacht wird", sagte er. Wie viel Wirkung einige wenige im Internet haben können, werde deutlich bei werbenden Social-Media-Stars und auch während des US-Wahlkampfs ersichtlich geworden. Mansfeld hingegen sieht in Facebook ein "zutiefst demokratisches Instrumentarium". "Jeder kann sich einmischen und seine Perspektive darstellen." "Wenn der Algorithmus es zulässt", wandte Schröder ein, "der bestimmt, ob meine Meinung präsentiert wird".

Medienkritiker Mansfeld sagte, er halte den Wettbewerb innerhalb der Medienlandschaft für "gesund", "mit der Vielzahl an Informationsmöglichkeiten ist die Situation in Deutschland nicht schlecht". "Wir sollten nie vergessen, dass bei Nachrichten nicht nur Schnelligkeit zählt, sondern auch, das sie wahr sind", betonte Schmiese.

Wiesbadener Kurier, 07.12.2017

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