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Verteidigungsminister Jung - im Kern als Mensch der Alte geblieben

Artikel vom 05.03.2009


Franz Josef Jung über Vorbilder, die Belastung seines Amtes und Geburtstagswünsche
(Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Wiesbadener Kurier)

Verteidigungsminister Franz Josef Jung nimmt die politische Verantwortung seines Amtes gerne an, empfindet sie aber besonders in tragischen Situationen, etwa wenn Soldaten im Dienst sterben, auch als Belastung.

Herr Minister, 60 Jahre Jung, davon 40 Jahre in der Politik. Gibt es Wegmarken, Vorbilder, die in besonderer Erinnerung bleiben?

Jung: Unvergesslich ist für mich die Zeit der deutschen Einheit, als wir in Hessen unseren Freunden in Thüringen geholfen haben. Gerade in dieser Zeit habe ich es auch schätzen gelernt, mit Bundeskanzler Helmut Kohl zusammenarbeiten zu dürfen.

Welche Eigenschaften, welches Handwerkszeug ist nach Ihrem Urteil für einen Politiker wichtig oder sogar unverzichtbar?

Jung: Da ich aus einer Winzerfamilie stamme und bereits mit jungen Jahren im Weinberg mitgeholfen habe, ist mir das harte Arbeiten seit frühester Kindheit vertraut. Auch in der Politik muss man hart arbeiten und dabei nicht den Menschen und die Bodenhaftung aus dem Blick verlieren. So wie Max Weber es formuliert hat, gilt es auch im übertragenen Sinne in der Politik, mit Leidenschaft, Beharrlichkeit und Augenmaß dicke Bretter zu bohren.

Hat die besondere Last des Verteidigungsministeriums die politische Kämpfernatur Franz Josef Jung verändert?

Jung: Wenn man für über 250 000 Soldatinnen und Soldaten politische Verantwortung trägt, spürt man bei all der Freude an der Arbeit auch die Last, die mit diesem Amt verbunden ist. So ist es schon eine mehr als belastende Situation, wenn Sie am Sarg von Gefallenen stehen oder mit deren Angehörigen sprechen. Aber im Kern bin ich als Mensch so geblieben, wie auch vor Übernahme dieses Amtes.

In der CDU-Parteispendenaffäre standen Sie im Fokus der Kritik. Gab es da oder zu anderer Zeit auch mal einen Punkt, wo Sie sagten, es reicht mit der Politik?

Jung: Politik betreibe ich aus Leidenschaft, aber auch aus Verantwortung gegenüber unserem Gemeinwesen. Ich habe allerdings das Privileg, dass ich wirtschaftlich nicht von der Politik abhängig bin, da ich jederzeit in meinen erlernten Beruf als Rechtsanwalt und Notar zurückkehren kann. Das gibt mir auch ein Stück persönliche Freiheit.

Verraten Sie uns zwei Wünsche für die Zukunft, einen politischen und einen privaten?

Jung: Politisch wünsche ich mir, dass wir nach der Bundestagswahl unter Führung von Bundeskanzlerin Merkel unsere erfolgreiche Politik fortsetzen können. Privat wünsche ich mir eine glückliche Zeit mit meiner Frau, unseren Kindern und unserer Enkelin.

Die Fragen stellte Matthias Friedrich.