Donnerstag, 24.05.2012
Referent: Volker Bouffier, Ministerpräsident des Landes Hessen,
Moderation: Stefan Schröder
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Sonntag, 23.09.2012
Reisezeit: 23. bis 30. September 2012 via Zagreb,... mehr
Artikel vom 28.01.2012
Wiesbadener Kurier
Von Ingeborg Toth
„Alle Sorgen, dass wir gegenüber den neuen, digitalen Wettbewerbern in die Defensive geraten, haben sich bis jetzt als unbegründet erwiesen“, erklärte Peter Frey, Chefredakteur des ZDF, beim Neujahrsempfang des Presseclubs. Dort begrüßte Presseclub-Vorsitzender Stefan Schröder viele prominente Gäste, darunter Oberbürgermeister Helmut Müller.
Frey sprach zur Rolle des Fernsehens in der digitalen Welt. Es irrte - so der ZDF-Chefredakteur - das amerikanische Technologie-Magazin, das vor zwei Jahren verkündete: „Das Web ist tot“. Es irrte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, der vom „Ende der E-Mail“ sprach.
„Totgesagte leben länger“, so Frey. Dies gelte auch fürs Fernsehen. Der ZDF-Chefredakteur nannte Zahlen: 1990 lag der durchschnittliche Fernsehkonsum bei 125 Minuten pro Tag, 2010 waren es 220 Minuten - knapp vier Stunden. Tendenz steigend.
„Für die junge Generation ist es selbstverständlich, den Fernseher laufen zu lassen, parallel dazu im Internet zu sein, sich mit einer vertiefenden Website zu beschäftigen und gleichzeitig Fragen an den Sender zu stellen.“ Das bedeutet: Journalisten müssen heutzutage auch Antworten geben, sie müssen sich „einer netzgetriebenen Öffentlichkeit“ stellen. Frey: „Das Dreieck zwischen Protagonisten, Presse und Öffentlichkeit wird neu definiert“. Das Publikum verfüge über eigene Kommunikationskanäle, die Massenproteste und Revolutionen auslösten. „Der Flaschenhals ‚Journalismus‘ ist nicht mehr da. Was früher öffentlich werden wollte, musste von Journalisten geschrieben werden - in der Zeitung, im Fernsehen oder im Radio. Dies Monopol geht verloren.“ Für Frey keine Frage: „Die neuen Plattformen machen die Öffentlichkeit reicher. Aber es ist nicht so, dass alles, was im Internet veröffentlicht wird, die Qualität hat, die Journalismus haben sollte.“
Zu den Herausforderungen der nächsten Jahre werde auch gehören, der Öffentlichkeit klarzumachen, dass es zwischen professionellem Journalismus und Um-sonst-Informationen mit zweifelhaftem Wert himmelweite Unterschiede gebe.
Die „Affäre Wulff“ habe klargemacht, dass die Medien heute nicht nur von den politischen Akteuren Transparenz fordern könnten, sondern dass sie auch selbst Auskunft geben müssen über die Hintergründe ihrer Entscheidungen. Warum geschieht ein Interview? Gibt es Vorabsprachen? Die Zuschauer und Leser hätten gerade in dieser Affäre die schwierige Gratwanderung zwischen Berichterstattung und Kampagne gespürt, zwischen Aufklärung und Machtspiel.
Sehr wichtig sei es heutzutage, „Mitsprechkanäle“ zu schaffen, also den Zuschauern, den Lesern, die Möglichkeit zu geben, sich zu beteiligen und ihre Meinung zu sagen. Der lineare Charakter des Fernsehens, bei dem sozusagen eins nach dem anderen komme, werde in manchen Sendungen aufgehoben. Bei dem im Dezember gestarteten „heute journal plus“ werden vertiefende Beiträge zu den Sendungen geboten. Falsch sei die Annahme, dass in dieser digitalen Welt nur kurze, mundgerechte Angebote funktionierten. „Wir merken im Gegenteil, dass auch längere Dokumentationen eine Renaissance erfahren. Die Menschen wollen wieder auserzählte Geschichten haben.“ Ungewöhnliche Bilder - etwa „Deutschland von oben“ - faszinierten, Bilder, die man so im Alltag nicht erleben könne. Aber auch Verbraucherinformationen, die unmittelbar Auswirkungen auf das eigene Leben hätten, fänden viel Aufmerksamkeit.