Dienstag, 14.02.2012
Referent: Dr. Tom Drieseberg, Weingut Wegeler, Rheingau/ Krone Assmannshausen,
Moderation: Burkhard Jahn
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Artikel vom 24.06.2010
WIESBADENER KURIER + WIESBADENER TAGBLATT
Von Kathrin Schwedler
OPER Eike Wilm Schulte im Presseclub / Sänger mit vielseitigem Repertoire
Auch wenn es oft anders scheint, besteht die Welt der Oper nicht aus Medien-Events. Die Realität sieht anders aus. Sie heißt in unserem Fall Eike Wilm Schulte.
Für seine Pianistin schiebt der weltweit an ersten Bühnen agierende Bariton das Klavier höchstselbst in Position und gießt sich mitten in der Arie Mineralwasser nach. Obwohl der 1939 im westfälischen Plettenberg geborene Star ohne Allüren im Presseclub Wiesbaden einen „lustigen Abend“ ankündigt, beginnt er mit einem fachlichen Einstieg: Ihn quält, dass an deutschen Lehranstalten so viele Studenten nur für die Arbeitslosigkeit ausgebildet würden. Sein eigenes Rezept: Fleiß.
Als Kölner Student wurde er „rheinisch-wesfälischer Christus“ genannt. Bei seinen Konzertbesuchen und -beteiligungen war er vor allem auf Oratorien abonniert. Dem Fach des „lyrischen Bariton“ blieb er treu, um sich nicht frühzeitig kaputt zu singen. Tatsächlich ist Schultes Repertoire, der mit Benjamin Brittens „Sid“ debütierte und in „Besuch der Alten Dame“ neben der legendären Martha Mödel spielte, extrem vielseitig. Mozarts Papageno einerseits, Germont-Père in Verdis „La Traviata“ andererseits. Zwei Paraderollen stechen heraus: Rossinis „Figaro“ und der Beckmesser aus „Meistersinger“.
1973 bis 1988 war Schulter festes Mitglied des Staatstheaters Wiesbaden. In dieser Zeit begeisterten ihn besonders die Opernarbeiten Volker David Kirchners und die Zusammenarbeit mit GMD Siegfried Köhler. Da zudem 300 Auftritte weltweit zu absolvieren waren, wechselte der nunmehrige Charakterbariton in die Freiberuflichkeit.
Heiterkeitsausbrüche erzeugte Schulte mit Bühnenanekdoten und satirischen Texten. Karajan spielte Skat, Sängerkollegen lüfteten während der Vorstellung nur für den Chor sichtbar aus Scherz ihr nacktes Geheimnis, Tristandarsteller wurden bei einer modernen Inszenierung Opfer eines Transportbands. Die musikalischen Beigaben, begleitet am Piano von Erika LeRoux, waren neben der „Zueignung“ (Richard Strauss) heitere Stücke. Figaros Meisterarie, präzise intoniert und haarscharf artikuliert, durfte zum Schluss nicht fehlen.