Dienstag, 14.02.2012
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Moderation: Burkhard Jahn
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Artikel vom 07.05.2010
WIESBADENER TAGBLATT
Von Ingeborg Toth
ÖKUMENE Dekan Heinemann: "Das Klima ist kühler geworden, aber wir machen das Wetter nicht"
"Ökumene ist immer auch eine Herausforderung an unser Leben, unsere Lebensgestaltung", so der evangelische Dekan Hans-Martin Heinemann. "Wenn wir üben, uns in Liebe und Respekt zu begegnen, evangelische und katholische Christen, neugierig aufeinander, dann haben wir damit schon ein Leben lang zu tun." Der Dialog zwischen den christlichen Konfessionen bedeute auch, dass "unsere Theologie in Bewegung bleibt." Es zeichne das Christentum in besonderer Weise aus, dass es sich intellektuell herausgefordert fühle, die Welt zu deuten.
Heinemann verwies im Presseclub darauf: Genau an der Stelle "setzt sich das Christentum mit der Orthodoxie auseinander". Deren "richtige Verehrung" oder "rechte Lehre Gottes" werde mit der Ikonen-Verehrung sinnbildhaft deutlich: "Die Kirche der Orthodoxie muss immer gleich bleiben." Ganz anders etwa die Auffassung der Protestanten: "Wir sagen, du kannst das Wort Gottes auch gegen den Strich bürsten - es bleibt immer das Wort Gottes."
Im Presseclub blickte der scheidende Stadtdekan auf 31 Jahre in Wiesbaden zurück: 1991 wurde er stellvertretender Dekan im evangelischen Dekanat Wiesbaden-Mitte. Bis zum Jahr 2000, als er die Gesamtverantwortung übernahm, gab es drei Dekanatsbezirke: "Wir haben viel gestritten, lange gekämpft. Es gab viele Ängste, wie immer, wenn etwas zusammengelegt werden soll. Es war für unser Verhältnis zur Ökumene etwas wichtiges, dass wir uns auch als regionale Kirche konzentriert haben. Erkennbarer geworden sind."
Die katholische und die evangelische Kirche der Stadt hätten sich in den vergangenen 30 Jahren aufeinander zubewegt. "Wir haben gesehen, wie notwendig das ist. Wir müssen dafür einstehen, dass in dieser Stadt gebetet wird." Heinemann bekannte, dass er sich lange Zeit im katholischen Gottesdienst die Hostie geben ließ. Für ihn war es, wie auch in der katholischen Tradition, "der Leib Christi. Für mich spricht Christus". Der "da vorn am Altar ist mein Christenbruder. Ich hab´ ja nicht das sakramentale Verständnis, das er hat." Der katholische Altbischof Kamphaus, von Heinemann nach eigenem Bekunden "sehr verehrt", bat ihn eines Tages, nach der Wandlung nicht mehr die Hostie in Empfang zu nehmen. Der katholische Würdenträger erläuterte seine Gründe: "Er darf mir, als ein Nicht-Kind der katholischen Kirche, der sein Amt im Glauben nicht anerkennt, nicht die Eucharistie geben."
Moderator Stefan Schröder fragte Heinemann, an welcher Stelle seiner Einschätzung nach die Ökumene heute angekommen sei. "Das Klima ist jedenfalls kühler, als es schon einmal war, keine Frage. Aber wir machen das Wetter nicht." Seine besten und katholischsten Freunde litten unter der Trennung genauso wie er. "Nur wie leiden mit unterschiedlichen Gefühlen." Der gute Katholik müsse es als schmerzlich empfinden, dass "wir nicht in ihrer Kirche sind". Für Protestanten sei es unmöglich, Frauen vom priesterlichen Dienst fernzuhalten. "Das ist für uns unvorstellbar - und ich wüsste auch immer noch keinen Grund, es zu tun." Jesus habe Jünger berufen. "Aber er hat genauso Frauen in seiner Jüngerschaft gehabt."
Im Taufverständnis sei man auf ökumenischer Ebene sehr viel weiter: "Es gibt mittlerweile unter den großen Konfessionen die uneingeschränkte Anerkennung der Taufe." Die Orthodoxen, die Katholiken und die Protestanten erklärten heute: "Ist jemand getauft, dann taufen wir kein zweites Mal. Die eine, gemeinsame Taufe, das ist ein großes Zeichen."