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Verbrannter Gummi als Genuss

Artikel vom 15.04.2010

WIESBADENER TAGBLATT

Von Ingeborg Toth

PRESSECLUB Thomas Betzler vor der DTM-Präsentation in Wiesbaden

Rennen tragen die High-Tech-Tourenwagen woanders aus. Auf der Wilhelmstraße findet am nächsten Sonntag das Kürlaufen statt: Die DTM-Präsentation ist reines Sich-zeigen- und Sich-bewundern-lassen. "Auch Frauen finden es unterhaltsam, so etwas zu erleben", versichert der Wiesbadener Dr. Thomas Betzler, Vizevorsitzender des Vereins für Internationale Tourenwagen-Rennen (ITR), im Presseclub. Zur Show, so sagt er, gehört der Genuss von Motorensound und verbranntem Gummi.

Der Vize des ITR ist neun Jahre lang Autorennen gefahren. Dann hat er sich entschieden, in Hessens Hauptstadt Anwalt zu werden. 1992 kam ein Anruf vom Mercedes-Team aus Stuttgart. Dessen Sportchef Norbert Haug fragte Betzler, ob er sich vorstellen könne, als Jurist die Verträge rund um Tourenwagen-Rennen auszuarbeiten. "Ich hab` gesagt: `In Stuttgart gibt es doch hervorragende Anwälte.` Haug erwiderte: `Aber Thomas, die verstehen diese Sportart nicht.`" So kommt es, dass in Wiesbaden alle Verträge für die DTM, die Deutsche Tourenwagen Meisterschaft, gemacht werden.

Vor dem Kurhaus wird es am Sonntag ein "offenes Fahrerlager" geben. Das heißt, die Zuschauer dürfen nah an die Boliden und ihre Piloten heran. Die werden Autogramme geben und sich interviewen lassen. Betzler: "Bei der Formel 1 gibt es das nicht."

Die DTM-Präsentation zum Auftakt der Rennsaison fand in den vergangenen Jahren mehrmals hintereinander auf der Düsseldorfer Königsallee statt. Die TV-Bilder der Veranstaltung wurden in über 175 Ländern ausgestrahlt. In Deutschland übertrugen die Fernsehsender an die 20 Stunden lang Bilder des Düsseldorfer Ereignisses. Moderatorin Monika Schwarz fragte Betzler, ob er die Wiesbadener ähnlich begeisterungsfähig für diese Variante des Rennsports halte, wie die Düsseldorfer. "Wir können beim ersten Mal nicht erwarten, dass mehr Zuschauer kommen als in Düsseldorf. Da waren es zuletzt 200 000. Aber wenn sich den Sonntag über 50 000 oder 60 000 Menschen vor dem Kurhaus und in der Wilhelmstraße aufhalten würden, dann wäre das ein Riesenerfolg."

Vor dem Kurhaus soll es kein Motorengeheul geben. Betzler: "Bis zur Wilhelmstraße werden alle geschoben." Die Autos aus Großserienproduktion, die zu reinrassigen Rennwagen umgebaut sind, sollen auf der Rue schon mal ihre Muskeln spielen lassen. "Die kommen leicht in drei Sekunden auf Tempo 100. Sie dürfen sich mal mit 80 Sachen unterwegs sein. Aber richtig Rennen gefahren wird nicht," so Betzler. Allen Öko-Freaks, die das Ganze durch die Brille des Umweltschutzes sehen, sagt der Rechtsanwalt: Die Autos, die normalerweise über die Wilhelmstraße rollen, "die bleiben am Sonntag in der Garage".